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«Eines Menschen Leben und seine Würde sind zu schützen» – Menschen, die Asyl suchen, nicht pauschal verurteilen

Die Diskussionen, die zurzeit über die Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden in und um die Gemeinde Bettwil geführt werden, könnten überall in der Schweiz stattfinden und sind auch schon in ähnlicher Form am einen oder anderen Ort bei Standortfragen geführt worden. Die drei Aargauer Landeskirchen, die Reformierte, die Römisch-Katholische und die Christkatholische Landeskirche, verfolgen mit Besorgnis diese Diskussionen.

Die Landeskirchen anerkennen die Komplexität und Schwierigkeit dieser Situation. Auf der einen Seite muss man einer hohen Zahl von Flüchtlingen in einer menschlich und verfahrensmässig sinnvollen Weise gerecht werden und auf der anderen Seite die Bedürfnisse und Sorgen der betroffenen Bevölkerung angemessenen berücksichtigen. Sie wollen auch nicht beurteilen, ob die zuständigen politischen Instanzen angemessen vorgegangen sind und rechtzeitig die betroffene Bevölkerung in den Meinungsbildungsprozess einbezogen haben.

Aber die Kirchenräte weisen auf der Grundlage der Botschaft von Jesus Christus darauf hin, dass hier immer von Menschen die Rede ist, die in der Schweiz Unterkunft, Hilfe und Schutz suchen, weil sie erklären, in ihrer Heimat in irgendeiner Form verfolgt zu werden. «Eines Menschen Leben und seine Würde sind zu schützen.» Dieser Grundsatz aus dem Evangelium steht auch in der Bundesverfassung und leitet unser Handeln als Kirchen.
Der Grundsatz, dass es um Menschen geht, die bei uns um Asyl bitten, darf nicht dadurch in Frage gestellt werden, dass man Asylsuchende grundsätzlich als Kriminelle bezeichnet oder so behandelt. Die Landeskirchen sind sich bewusst, dass einige Asylsuchende – wie in allen gesellschaftlichen Bereichen – die Möglichkeiten des Asylrechts missbrauchen, falsche Angaben machen oder sogar mit kriminellen Absichten das Recht auf Asyl ausnutzen wollen. Jeder Mensch hat in der Schweiz das Recht auf ein Asylverfahren, das genau abklärt, ob ein Mensch genügend Hinweise für eine Verfolgung in seinem Heimatland angeben kann und ob diese Angaben wahr sind.

Die ausführliche Medienberichterstattung über Fälle von Missbrauch des Asylrechts und weniger über die dramatischen menschlichen Schicksale, die mehrheitlich dahinter stehen, machen die Ängste verständlich, die aktuell in der Bevölkerung ausgelöst werden. In der hitzig geführten Diskussion um die Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden fällt eine eigentümlich entmenschlichte Sprache auf, wenn nur noch von ankommenden Flüchtlingswellen und Asylzentren oder von Kriminalität und Belästigung gesprochen wird.

Die Landeskirchen und ihre Kirchgemeinden und Pfarreien engagieren sich für alle Betroffenen. Einerseits für die Flüchtlinge z.B. mit der Unterstützung für Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge durch die HEKS-Regionalstelle Aargau-Solothurn und die Caritas Aargau. Andererseits nehmen wir in unseren Kirchgemeinden und Pfarreien die Sorgen der Menschen auf. Wir sehen, dass hinter abwertenden Äusserungen konkrete Ängste und manchmal auch Erfahrungen stehen. Die kirchlichen Mitarbeitenden sprechen dies im Kontakt mit den betroffenen Menschen an und versuchen durch Begegnungen zwischen Einheimischen und fremden Personen und Kulturen Verständnis zu fördern.

Für die Aargauer Landeskirchen
Claudia Bandixen, Präsidentin des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche Aargau
Luc Humbel, Präsident des Kirchenrats der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau
Christoph Sterkman, Bischofsvikar der Bistumsregion St. Urs
Ernst Blust, Präsident des Kirchenrats der Christkatholischen Landeskirche des Kantons Aargau




Aufgeschaltet am 20. Dezember 2011
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