Zur Startseite...   Aargauer Landeskirchen
Römisch-Katholische Kirche im Aargau
Reformierte Landeskirche Aargau
Christkatholische Landeskirche Aargau

info@landeskirchen-ag.ch
www.landeskirchen-ag.ch

Ökumenische Zusammenarbeit im Aargau. Ihre Landeskirchen.

StartseiteKontaktSitemapImpressumSeite druckenSeite weiterempfehlen

Suchen

 

Zwischen den Religionen – Studienreise nach Israel

Religionsunterricht an der Kantonsschule Wettingen findet nicht nur «intra muros» des Klosters, sondern auch «extra muros» statt, um das erworbene Wissen auch an Orten zu vertiefen, wo Judentum und Christentum entstanden sind und wo der Islam auch eine wichtige Rolle spielt, im so genannten Heiligen Land. Dort in Israel werden auch für die Hebräischschülerinnen und Schüler die Strasse und der Suq (Markt) zum Klassenzimmer, dort können sie ihre Kenntnisse auf die Probe stellen.

Es war auch diesmal ein Wagnis für die dreizehn Schülerinnen und Schüler und für die Lehrpersonen, die sich am 12. April 2012 auf eine Reise in eine fremde und aus der Theorie doch bekannte Welt aufmachten. Trotz äusserst strengen Sicherheitsbefragungen und Kontrollen vor dem jeweiligen Abflug waren die Grenzen weit offen zu neuen Horizonten. Anders als in der Schweiz wurde Religion öffentlich gelebt: Juden beteten am Strassenrand Richtung Tempelberg, der Muezzinruf erscholl so laut, dass wir einander kaum mehr verstehen konnten, und Christen sangen im Freien Halleluja-Lieder. Durch antike Ausgrabungen bekamen wir ausserdem einen neuen Zugang zu biblischen Berichten, beispielsweise als wir auf dem Felsen Golgatha und beim leeren Grab Jesu standen. Auch wurde uns aufgezeigt, aus welchen historischen Gründen Juden und Muslime um den Tempelberg zanken. So hatte schon Walther von der Vogelweide in seinem «Palästinalied» gesungen: «Christen, Juden und Muslime beanspruchen dies Land als ihr Erbe. … Die ganze Welt streitet darum.» Nun wissen wir weshalb.

Obwohl wir, von all den Meldungen in Zeitungen und Medien geprägt, eigentlich mit vorgefasster Meinung dahin reisten, versuchten wir dort immer wieder unsere Annahmen zu relativieren und zu differenzieren. Die neuere Geschichte Israels ist reich an Ereignissen. So wurden wir im Holocaust-Museum Yad Vashem mit unsäglich viel Leiden konfrontiert. Auch die Angst vor neu aufbrechender Gewalt im Land war spürbar.
Trotz allem sollte ein Zusammenleben von Israelis und Palästinensern, von Juden, Christen und Muslimen im Heiligen Land möglich sein, wie uns scheint. Vorgelebt hatte es die israelische Reiseleitung. Unser Buschauffeur war ein palästinensischer Muslim aus Ostjerusalem, unser Reiseleiter ein israelischer Jude mit Schweizer Pass. Sie zeigten uns nicht nur Israel mit seinen jüdischen Bürgern, die zum grossen Teil im Verlauf der letzten 150 Jahre eingewandert sind, sondern auch Israel mit seinen arabischen Bürgern, die muslimisch oder christlich sein können, und einen Teil Palästinas. Und sie gingen eingehend auf unsere kritischen Fragen ein.

Die Schülerinnen und Schüler werden in Zukunft differenzierter über die Entstehung des Christentums, das zeitgenössische Judentum und den Islam urteilen können und werden in Diskussionen um den Nahost-Konflikt ihre vertiefte Kenntnis sowohl der arabischen als auch der israelischen Perspektive einbringen können.

Dr. Christine Stuber



30 Fotos


Aufgeschaltet am 7. Mai 2012
zurück


Bericht über die Israelreise
der Kantonsschule Wettingen
Hg. v. Dr. Christine Stuber

Download (PDF, 80 KB)